Aktionsspieltag Ende Januar

Am vergangenen Wochenende haben diverse Fankurven für eine bundesweite Freigabe aller Fanutensilien protestiert. Im Folgenden könnt Ihr euch nochmal kurz informieren, warum es zu diesem Aktionsspieltag kam und welche Änderungen eingefordert werden.

Hier gehts lang.

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Positionspapiere

Etwas verspätet, aber besser als nie noch ein Update zur derzeitigen Entwicklung:

Das Jahr 2017 neigt sich dem Ende. Eine Zeit mit doch besonderen Protesten und Ereignissen in der 1. bis zur 5.Liga. Die Proteste richteten sich gegen die sich zuspitzende Entfremdung der Verbände, allen voran des DFB, von der Basis des Fußballs – uns Fans. Betrachtet man die sechs Aktionsspieltage in ihrer Themenbreite und Geschlossenheit wird jedem der sich nur ein bisschen mit Fußball beschäftigt und regelmäßig Spiele seines Vereines live verfolgt bewusst, wir befinden uns in der Phase der Veränderung.

Der Fußball in Deutschland mit seiner einzigartigen Fanlandschaft, seinen unzähligen Fanszenen, seinen „immer vollen“ Stadien steht an einer roten Linie. Der DFB und die DFL entfernen sich immer weiter von ihrer doch so hochgelobten Basis.

Wir die Fans haben den Fußball in Deutschland zu dem gemacht für was er heute ist und welchen Namen er sich auf der ganzen Welt gemacht hat. Es gibt unzählige Beispiele was den Fans in den letzten Jahren als Rucksack mitgegeben wurde, nur damit die Spirale des Profites immer weiter nach oben gedreht werden konnte. Die Aktionsspieltage seit dem 18.08.2017 haben klar gezeigt, dass nicht nur die Ultras oder Hardliner die Nase voll haben, Jahr für Jahr neue Schikanen ertragen zu müssen nur um seinen Verein zu den Spielen zu begleiten.

Nicht erst seit dem Standpunktgespräch beim DFB in Frankfurt am 09.11.2017 ist uns bewusst, dass man von heute auf morgen den Fußball nicht verändern wird. Vor allem aber sehen wir uns auch selbst in der Pflicht und wollen für unsere Rechte als Fußballfans kämpfen. Im Anschluss an das Gespräch haben wir als Fanszenen mehrere Positionspapiere erarbeitet, die wiedergeben, was unproblematisch und kurz- bis mittelfristig verändert werden muss!

Diese Papiere haben wir dem DFB als Aufforderung mitgegeben und möchten sie nun auch euch nicht vorenthalten:

1. Kommerzialisierung

2. Stadionverbote

3. Sportgerichtsbarkeit

4. Fanrechte

5. Anstosszeiten

Die handelnden Personen des DFB und der DFL haben von uns ebenfalls diese fünf Kernthemen erhalten. Die nächsten Wochen werden Zeigen wie ernst eine Veränderung angestrebt wird und ein Umdenken stattfindet. Nach dem Ende der Winterpause wird es weitere Aktionsspieltage geben um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Wir stehen noch ganz am Anfang und sind uns bewusst, dass eine spannende und entscheidende Zeit für den Fußball vor uns liegt. Wir sind hochmotiviert, ausdauernd und haben noch einige Ideen.

Die Fanszenen Deutschlands

Kleiderspende & Mützenverkauf

Auch in diesem Jahr möchten wir zusammen mit euch ein Zeichen setzen und den Menschen in unserer Stadt unter die Arme greifen, die dringend unbürokratische Unterstützung benötigen. Der schreckliche Hausbrand in der Saarbrücker Saaruferstraße mit vier Toten wird niemandem von euch entgangen sein. Die Brandopferhilfe Saarland ruft schon seit einigen Tagen dazu auf, Kleider- und Sachspenden zur Verfügung zu stellen, die den betroffenen Menschen schnelle Direkthilfe bieten soll.

Um den Menschen ein erträgliches Weihnachtsfest und einen zumindest den Umständen entsprechend schönen Jahreswechsel zu ermöglichen, ist es uns ein Bedürfnis zusammen mit euch mit anzupacken:
Wir appellieren deshalb an jeden Blau-Schwarzen am kommenden Samstag dringend benötigte Kleidung (s. unten) zu spenden. Einzige Bedingung: die Kleidung soll in einem vernünftigen Zustand sein, Stofffetzen und stark in Mitleidenschaft genommene Kleidung werden nicht benötigt!
Folgende Kleidergrößen sind aktuell am dringendsten:
Herrenbekleidung (besonders winterfeste)

Schuhe in den Größen 40, 42, 43, 44/45, 47 und 47,5
Oberbekleidung in den Größen M-XXL
Hosen in den Größen (L/W) 32/34, 34/32, 34/30, 35/42 und in 52
———————————————————————————————-
Damenbekleidung (besonders winterfeste)

Schuhe in den Größen 40/41 und 38/39
Oberbekleidung in den Größen 38/40 sowie S-M

Damit wir die aufgegebenen Spenden unkompliziert weiterleiten können, bitten wir euch darum, die mitgebrachten Sachen ordentlich zu verpacken (Karton/Kleidersack etc.). Wir stehen am Samstag quasi unmittelbar vor dem Heimeingang und nehmen die Spenden entgegen. Natürlich werden nach einem derart schlimmen Brand auch viele andere Dinge benötigt, Haushaltsgeräte jeglicher Art sind bspw. auch enorm wichtig. Eine Weiterleitung dieser Utensilien ist für uns aus logistischen Gründen nicht möglich – wenn ihr aber funktionierendes Material spenden wollt, dann wendet euch bitte direkt an die Brandopferhilfe Saarland. Wir werden außerdem eine Spendendose aufstellen, um zusätzlich etwas Geld für die Betroffenen zu sammeln. Solltet ihr direkt spenden wollen könnt ihr folgendes Spendenkonto nutzen:

Spendenkonto:
Spendenkonto Bank 1 Saar
IBAN: DE57591900000117913007
Verwendungszweck: Brand Saarbrücken 3.12.2017

Als Schmankerl kurz vor Weihnachten bringen wir außerdem noch eine schicke Mütze unters Volk. Die Auflage ist stark limitiert, ranhalten ist also von Vorteil. Der Erlös dieser Aktion fließt zu einhundert Prozent in eine karitative Einrichtung in Saarbrücken, die Kinder und ihre Familien in kritischen Lebenssituationen unterstützt. Nähere Infos dazu könnt ihr gerne bei uns erfragen.

Hinweis: Sollte das Spiel am Samstag ausfallen, sind wir zwischen 13 und 15 Uhr im Fanprojekt (Ziegelstraße, 66113 SB) anzutreffen, ihr könnt eure Spenden dann dort aufgeben.

Blau-Schwarze Grüße,

Ultras Virage Est

DFB stimmt Gespräch unter Einbeziehung einer transparenten, objektiven Berichterstattung nicht zu

Vorspiel

Nachdem das Fachmagazin „Kicker“ im Juni dieses Jahres von den Plänen des DFB berichtete, die chinesische U20-Nationalmannschaft in der Regionalliga Südwest am Spielbetrieb außerhalb des Wettbewerbs teilnehmen zu lassen, glaubten nicht wenige zunächst an einen schlechten Scherz. Leider wurde rasch deutlich, dass es dem DFB mit diesem Vorhaben sehr ernst ist. Zur jetzt anstehenden Rückrunde wird die U20-Nationalmannschaft aus Fernost wöchentlich gegen einen Verein aus dem Südwesten, der aufgrund der 19er-Konstellation gemäß des regulären Spielplans spielfrei hat, antreten. Der jeweilige Verein erhält hierfür 15.000 Euro. Lediglich der SV Waldhof Mannheim, die Stuttgarter Kickers und die TuS Koblenz haben den, vom DFB als „Freundschaftsspiele auf freiwilliger Basis“ bezeichneten, Spielen nicht zugestimmt.

Hintergrund dieses Vorhabens ist eine im November 2016 abgeschlossene Vereinbarung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik China im Bundeskanzleramt, die im Beisein von DFB und DFL unterzeichnet wurde. Hierin verpflichten sich die beiden Länder zu einer engen Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Fußballs. Der Vertrag veranlasst die Fußballverbände der beiden Länder explizit dazu, Pläne und konkrete Vereinbarungen sowie finanzielle Absprachen zu treffen.

Reaktionen der Fanszenen

Innerhalb der Fanszenen der Regionalliga Südwest wurde schnell Kritik laut. In einem gemeinsam verfassten, offenen Brief wandten sich die Fanszenen der Offenbacher Kickers, Waldhof Mannheim, Mainz 05, 1. FC Saarbrücken, SSV Ulm, TuS Koblenz, Wormatia Worms, FSV Frankfurt, Hessen Kassel und der Stuttgarter Kickers am 07.07.2017 geschlossen an Ronny Zimmermann, DFB-Vize & Vorsitzender der Regionalliga Südwest, um ihren Unmut zu bekunden (nachzulesen u.a. auf:  http://www.pro-waldhof.de/archives/8537), ehe sie nach ausbleibender Antwort einen zweiten Brief am 14.07.2017 formulierten (nachzulesen u.a. auf: http://www.pro-waldhof.de/archives/8541). Kritisiert wurde unter anderem die fortschreitende Kommerzialisierung des Fußballs, indem die Interessengemeinschaft der Fans anführte, dass es entgegen der Darstellung des DFB letztlich nicht die Vereine der Regionalliga Südwest sein würden, die von den Spielen gegen die chinesische U20-Nationalmannschaft profitierten, sondern viel mehr DFB und DFL im Zuge der asiatischen Markterschließung. Neben dem nicht existierenden finanziellen Mehrwert auf Seiten der Vereine aufgrund von enormen Fixkosten und hohem ehrenamtlichen Einsatz, trotz einer Zahlung von 15 000 Euro, verwiesen wir zudem auf die moralische Verantwortung des DFB. Unter anderem wurde die Frage aufgeworfen, wieso der DFB eine Kooperation mit einem Staat eingeht, in dem die Pressefreiheit massiv eingeschränkt ist und Todesurteile massenhaft vollstreckt werden.

Ein wesentlicher Kritikpunkt bestand zudem in der fehlenden Transparenz rund um die gesamte Kommunikation im Zuge des „China-Projekts“. Im Detail wurde angemahnt, dass die Vereine telefonisch auf die Pläne angesprochen wurden und sowohl im Vorfeld als auch im direkten Nachgang keinerlei Zahlen oder Daten zu den Plänen geliefert wurden und kein Platz für Nachfragen bestand. Neben dem intransparenten Vorgehen gegenüber den Vereinen wurde zudem die sehr kurzfristige Bekanntgabe in der Öffentlichkeit bemängelt. In der Summe entstand somit der Eindruck, dass durch die kurze Zeit zwischen Veröffentlichung der Pläne und dem Start der neuen Saison versucht wurde, eventueller Kritik am Vorhaben möglichst geringe Entfaltungsmöglichkeit zu bieten.

Reaktionen des DFB

Mit etwas zeitlicher Verzögerung antwortete der DFB-Vizepräsident auf die beiden offenen Briefe und wies die vorgetragene Kritik in großen Teilen von sich (nachzulesen auf: http://www.pro-waldhof.de/archives/8550). Herr Zimmermann führte unter anderem an, dass es sich bei den einzelnen beanstandeten Punkten um „abstruse Theorien“, „Halbwissen“ oder „voreilige Fakten“ handele. Insgesamt bedauere er es, „dass Medien und Fangruppierungen frühzeitig mit Halb- bzw. Unwahrheiten ein falsches Bild vermittelt haben und die Stimmung völlig unnötig angeheizt haben.“

Konkret legte er unter anderem dar, dass die Eingliederung der chinesischen U20-Nationalmannschaft nie ein Thema gewesen sei, sondern es sich stets lediglich um Freundschaftsspiele auf freiwilliger Basis gehandelt habe. Darüber hinaus verteidigte er die telefonische, „auf kurzem Draht“ erfolgte Kommunikation mit den Vereinen und betonte, dass der DFB an dem Projekt nichts verdiene.

Zur Freude der Fanszenen unterbreitete Herr Zimmermann die Einladung eines persönlichen Gesprächs, um weitere Fragen umfänglich zu beantworten und betonte, dass er an einem Dialog mit allen Beteiligten sehr interessiert sei.

Nachspiel

Als Reaktion auf die Antwort von Herrn Zimmermann nahmen wir das Gesprächsangebot an, unser Ziel bestand schließlich darin einen konstruktiven Dialog mit den DFB-Verantwortlichen anzustoßen, in dem nicht nur über gegensätzliche Standpunkte diskutiert, sondern auch Themenbereiche angesprochen werden sollten, die für die breite Öffentlichkeit momentan undurchsichtig und nicht klar verständlich sind. Da in den offenen Briefen insbesondere die Kommunikationskultur des Verbands, im Sinne einer mangelhaften Transparenz gegenüber den Vereinen und der Öffentlichkeit, kritisiert wurde, forderten wir, den Kreis der am Gespräch teilnehmenden Personen um Pressevertreter verschiedener Medien zu erweitern, die bereits ihr Interesse an einer medialen Aufbereitung bekundet hatten. Hierdurch sollte die Qualität der Berichterstattung zur Meinungsbildung gewährleistet werden. Leider stimmte der DFB dieser Bedingung nicht zu und schlug im Gegenzug vor, den Medienvertretern lediglich im Nachgang die Möglichkeit zu geben, Fragen zu stellen. Da dies vollkommen konträr zu unserem Anspruchsdenken hinsichtlich der Offenlegung der gesamten Diskussion war und wir der Verantwortung gegenüber den Anhänger der unterzeichnenden Vereine im Sinne einer transparenten Berichterstattung bestmöglich Rechnung tragen wollten, betonten wir mehrmals die aus unserer Sicht bestehende Notwendigkeit der journalistischen Begleitung und unterstrichen nachdrücklich, dass der Kreis der Berichterstatter gerne von Seiten des DFB ergänzt werden könne bzw. das eine Einladung an alle Medienvertreter unserseits begrüßt würde. Der DFB konnte einem Gespräch in dem von uns geforderten Rahmen mit Einbeziehung der Öffentlichkeit bis zuletzt dennoch nicht zustimmen.

Konsequenz

Leider müssen wir feststellen, dass der DFB auch weiterhin nicht an einer offenen Kommunikation interessiert ist und unsere vorgetragenen Kritikpunkte diesbezüglich berechtigt sind. Wir sahen uns daher dazu gezwungen, das Gespräch abzusagen. Natürlich sind wir weiterhin an einem transparenten und konstruktiven Dialog in der von uns geforderten Runde interessiert, erachten die hierfür nötigen Bedingungen aber aktuell als nicht gegeben.

Wir sehen es somit als notwendig an, die Öffentlichkeit anderweitig über unsere Standpunkte und Argumente zu unterrichten. Im Sinne einer transparenten Darstellung laden wir daher alle interessierten Medienvertreter ein, den von uns erstellten Faktencheck (Download) zu analysieren und mit unseren Ansprechpartnern unter der Nummer 0176 36619842 oder der E-Mail-Adresse: presse@pro-waldhof.de in Kontakt zu treten, um die vorliegenden Fakten zu erhalten, die unsere Sichtweise untermauern, belegen und denen des DFB in der Konsequenz eindeutig widersprechen.

 

 

Aktive Fans Kickers Offenbach
Block 30 – Hessen Kassel
Block 385 – FSV Frankfurt
Fanszene Stuttgarter Kickers
Inferno Koblenz 2003
PRO Waldhof e.V.
Supporters Mainz e.V.
Supporters Ulm 1999
Supporters Worms 1997
Virage Est Saarbrücken

 

Zweiter offener Brief an Herrn Ronny Zimmermann, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes

Sehr geehrter Herr Zimmermann,
in einem offenen Brief an Ihre Person haben Ihnen zahlreiche Fans bzw. Fangruppierungen verschiedenster Vereine kritische Fragen zur Ihrerseits geplanten Implementierung der chinesischen U20-Nationalmannschaft gestellt. Bedauerlicherweise haben Sie weder auf direktem Wege, z.B. via Email, noch auf öffentlichem Wege eine adäquate, also umfängliche Antwort auf vorgebrachte Fragen übermittelt. Wir müssen daher zu dem Schluss kommen, dass Ihnen entweder die Fragen zu unbequem waren, oder dass Sie nicht an einem Dialog bzw. einer sachlichen Auseinandersetzung mit Fans bzw. Fanvertretern interessiert sind. Die kurzfristige Absage einer für Freitag geplanten TV-Diskussion im Rhein-Neckar-Fernsehen mit u.a. Herrn Wiedemann (Geschäftsführer der Regionalliga Südwest) und einem Fanvertreter des SV Waldhof verstärkt den Eindruck, dass Ihr Verhalten beispielhaft für den gesamten Verband und seine handelnden Personen ist.

 
„Ergebnisse der Managertagung“
Neben der erneuten Bitte um Beantwortung unserer Fragen möchten wir nachfolgend auch die Ergebnisse der Managertagung vom 11.07.2017 beleuchten, denn auch hier sind uns Widersprüche und Ungereimtheiten aufgefallen.

 
Ausbleibende Kommunikation, fehlende Mitbestimmung & Desinteresse an der Liga
Grundlage für die Ihrerseits geplante Implementierung der U20-Nationalmannschaft der Volksrepublik China in die Regionalliga Südwest ist eine Vereinbarung, welche im November 2016 u.a. von DFB-Präsident Grindel getroffen wurde. Bei einer derartigen Vorlaufzeit stellt sich uns weiterhin die Frage, warum Ihrerseits keine frühzeitige und fundierte Kommunikation stattfand. Das Faktum, dass die Anzahl der sportlich qualifizierten Mannschaften der jeweiligen Regionalligen zu
diesem Zeitpunkt nicht feststand, entschuldigt nicht eine monatelange Funkstille zwischen Ihrem Verband und den potentiell betroffenen Vereinen. In Ihrer Funktion als Vize-Präsident des DFB hätten Sie sicherstellen müssen, dass alle Vereinsverantwortlichen sämtlicher Regionalligen frühzeitig über die geplante Eingliederung des chinesischen Jugendteams informiert werden müssen. Dass seitens des Verbandes keine Informationsweitergabe stattfand, lässt viel Platz für
Spekulationen. Für uns steht dabei zumindest ein Sachverhalt fest: der Verband sieht sich auf einer übergeordneten Ebene gegenüber den Einzelvereinen. Er diktiert statt zu diskutieren, er schafft Fakten statt zuzuhören und er fokussiert seine Vorteile, statt die seiner Mitglieder, also der Basis seiner eigenen Institution. Dass durch die selbstgewählte, extrem kurzfristige Herangehensweise Telefonate mit Vereinsverantwortlichen notwendig sind, ist und bleibt unprofessionell. Dass Sie und Ihre Mitstreiter den Telefonaten keinerlei schriftliche Fakten folgen lassen, verdeutlicht mit welchem Selbstverständnis Sie kommunizieren. Zu diesem Selbstverständnis gehört auch, dass Sie offensichtlich verärgert sind, wenn ein Verein mangels Entscheidungsgrundlagen zu dem Entschluss kommt, den telefonisch verlautbarten Grundtenor zurückzunehmen. Hat ein Verein
bzw. seine handelnden Personen kein Recht mehr auf eine konträre Meinung und ist es verwerflich, dass man seine Meinung nach Rücksprache mit weiteren Verantwortlichen, der sportlichen Leitung und den Fans korrigiert? Dabei geht es laut ihren Aussagen um ein „freiwilliges Testspiel“, welches die Vereine ohnehin „händeringend suchen“ würden. Und von einer Eingliederung der U20-Auswahl Chinas sei nie die Rede gewesen.

Zusätzlich fehlt aus unserer Sicht jegliche Auseinandersetzung mit den eigentlichen Problemen der Regionalligen. Statt sich um echte und dringend notwendige Reformen zu bemühen, stellen wir fest, dass Sie lieber das „Projekt China“ vorangetrieben haben.

Fraglicher Umgang mit finanziellen Anreizen
Die Aussage mit dem „freiwilligen Test- bzw. Freundschaftsspiel“ wird insbesondere unter der Betrachtung der finanziellen Gesichtspunkte bemerkenswert. So liegt Ihrem Verband erstaunlich viel (Geld) an besagten Begegnungen, wie kann man sonst eine Verdoppelung der Antrittsprämie nebst etwaiger Zuschüsse deuten? Wir erinnern uns, anfänglich war von 15.000 Euro für zwei Partien je Verein die Rede. Konkret wären für 38 Spiele 285.000 Euro gezahlt worden. Wohlgemerkt ohne Zuschüsse, denn diese wurden erst nach Kritik der Vereine und der Öffentlichkeit in Ihr Angebot aufgenommen. Nun werden 15.000 Euro für lediglich 15 Spiele, also
225.000 Euro nebst Zuschüsse gezahlt. Kriterium für die Zuschüsse sind laut der Pressemeldung des DFB Mehrkosten, welche aus der Organisation (!) des Testspiels rühren. Als Beispiele werden Stadionmieten und Personalkosten aufgeführt, womit sichergestellt ist, dass auch wirklich jeder teilnehmende Verein einen Zuschussantrag stellen kann. Als besonderes Highlight bemüht sich der DFB nun um eine TV-Vermarktung in Fernost, deren Erlös umfänglich (!) und damit vollkommen selbstlos an die teilnehmenden Vereine ausgeschüttet werden soll. Müssen wir Fans aufgrund der Zeitverschiebung von +7 Stunden dann Anstoßzeiten um 12:00 hinnehmen, wie es in den oberen Spielklassen bereits angedacht ist?
Herr Zimmermann, wäre es nicht leichter und ehrlicher zuzugeben, dass der DFB das Taschengeld für die Regionalligisten aufgebessert und drohende Absagen weiterer Vereine durch finanzielle Vorteile abgewendet hat?
Eine weitere Frage ist auch, wie die viel beschworene Völkerverständigung von statten gehen soll, wenn den chinesischen Funktionären und Spielern ein „Maulkorb“ verpasst wurde und sie sich grundsätzlich nicht äußern dürfen. So berichten die „Stuttgarter Nachrichten“ in Ihrer Online-Ausgabe vom 28.06.2017 davon, dass die chinesischen Sportler auf Grund einer Restriktion des chinesischen Fußball-Verbandes keinerlei öffentliche Aussagen treffen dürfen.

Dass sich am Ende neben dem SV Waldhof Mannheim auch noch die TuS Koblenz, die Stuttgarter Kickers und der 1. FSV Mainz 05 (zumindest inhaltlich) von Ihrem Projekt losgesagt haben, werden zweifellos viele Fans in Deutschland und besonderes die Anhänger der genannten Vereine begrüßen. Gemäß den Pressemeldungen waren auch Sie mit dem Ergebnis zufrieden, was auf den ersten Blick nach dem sprichwörtlichen „Eitel Sonnenschein“ klingt. Dem ist allerdings nicht so und das sollen Sie hiermit wissen. Durch die fehlende Transparenz und die ausbleibende Würdigung der sachlichen Argumente dürfen Sie auch weiterhin davon ausgehen, dass die fundierte und breite Kritik an Ihrem „Projekt“ bestehen bleibt. Die ethischen Bedenken – konkret die Menschenrechtslage in China – und die sportliche Mehrbelastung für die Spieler waren Ihnen keine Silbe wert. Das spricht Bände und sorgt für Unmut. Sie haben insgesamt und das bedauern wir außerordentlich, aus unserer Sicht keinen echten Versuch unternommen, die bestehenden und die neu entstandenen Risse zwischen Ihrem Verband und uns Fans, also einem Teil der Basis, zu kitten. Herr Zimmermann, Sie mögen für den DFB kurzfristig einen „interessanten“ Deal geschlossen haben. Den mittel- und langfristigen Schaden, den Sie dem deutschen Fußball insgesamt verursacht haben, können und wollen Sie aber nicht sehen. Als treue und kritische Fans unserer Vereine sehen wir uns auch künftig in der Pflicht, Sie und Ihre Mitstreiter sachlich zu hinterfragen und zu kritisieren.
Unser Standpunkt lautet mehr denn je: Die seitens des DFB vorangetriebene übermäßige Vermarktung des Fußballs muss gestoppt werden. Der Fußball in Deutschland besteht nicht nur aus den 36 „Clubs“ der Bundesligen, sondern aus knapp 25.000 weiteren Vereinen, deren Mitgliedern und nicht zuletzt uns Fans, deren Interessen Ihr Verband ebenfalls vertreten muss.

Sportliche Grüße
Abteilung Herzblut (Fanabteilung KSV Hessen Kassel e.V.)
Aktive Fans Kickers Offenbach
Aktive Fans SSV Ulm
Block 30 – Hessen Kassel
Block 385 – FSV Frankfurt
Fanszene Stuttgarter Kickers
Inferno Koblenz
PRO Waldhof e.V.
Supporters Mainz e.V.
Supporters Worms 1997
Virage Est Saarbrücken

Offener Brief der Fanszenen Regio Südwest an den DFB-Vizepräsidenten

Sehr geehrter Herr Zimmermann,

rund um die seitens der Fußball-Verbände geplante Implementierung einer chinesischen U20-Auswahl in der Regionalliga Südwest sind zahlreiche Fragen aufgekommen, welche wir stellvertretend für viele interessierte Fußballfans an Sie weitergeben möchten. Durch Ihre Funktionen als Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und des Süddeutschen Fußballverbandes sind wir zuversichtlich, dass Sie die gestellten Fragen umfassend beantworten können.

Kein finanzieller Mehrwert
Seitens der Verbände wurde hierfür eine Antrittsprämie von 15.000 Euro für jeweils zwei ausgetragene Partien je Verein im Südwesten ausgelobt. Wir Fans glauben, dass die Kosten-Nutzen-Rechnung hierbei bereits bei einer kurzfristigen Betrachtung überholt ist. So stehen der genannten Prämie, je nach Infrastruktur der Vereine, enorme Fixkosten (z.B. Miete und Reinigung der Spielstätte) und ein hoher ehrenamtlicher Einsatz gegenüber. Zusatzeinnahmen durch etwaige Eintrittsgelder dürften durch die zunehmend negative Haltung der breiten Öffentlichkeit und damit auch der zahlenden Zuschauer – sowie der damit einhergehenden Berichterstattung – ebenfalls zu keinem nennenswerten Mehrertrag, oder in Ihren Worten „guten Vermarktungsmöglichkeiten“ führen. Besagter Effekt dürfte sich durch „ungünstige“ Terminierungen – Stichwort „englische Wochen“ – verstärken.

Darüber hinaus sehen wir die Gefahr, dass die Wertigkeit der Liga durch eine zusätzliche Mannschaft, welche diese lediglich als Trainingsort für „höhere Ziele“ nutzt, deutlich beschädigt wird. Wir sind daher der Überzeugung, dass die 15.000 Euro am Ende für keinen Verein eine attraktive Entlohnung darstellen werden. Vielmehr erleidet die Liga mittel- bis langfristig in ihrer sportlichen Ernsthaftig- und Glaubwürdigkeit eine signifikante Abwertung, welche Zuschauer, Sponsoren und Spieler gleichermaßen negativ beeinflusst.

Wider den Fairplay-Gedanken und den sportlichen Wettkampf
Der ehrliche und faire Umgang im Sport ist immens wichtig. In zahlreichen Interviews, u.a. mit Waldhof-Urgestein Klaus Schlappner, aber auch mit dem ehemaligen Fürther Toni Winkler, wurde das Argument der Völkerverständigung genannt und den Kritikern Ihrer Pläne fehlende Toleranz vorgeworfen. Wir halten die getroffenen Aussagen für bestenfalls fahrlässig und darüber hinaus für irreführend, verschweigen Sie doch die offenkundigen finanziellen Interessen des DFB. In Ihrer Position als Vizepräsident desselben haben Sie sicherlich Kenntnis über den Umfang der finanziellen Gesamtvereinbarungen. Deshalb bitten wir Sie, diese im Sinne der Transparenz offenzulegen und darüber hinaus einen Ausblick über die Verwendung der vereinbarten Summen zu geben. Gerade den Verantwortlichen und Anhängern von Vereinen der deutschen Regionalligen sind Sie eine konkrete Antwort schuldig.

Uns stellt sich auch die Frage, inwieweit der Regionalligist FC Astoria Walldorf als unvoreingenommener Fürsprecher für Ihre Pläne geeignet ist. Die räumliche Nähe zum aktuellen Unterbringungsort der chinesischen Delegation (St. Leon-Rot) legt die Vermutungen nahe, dass der flammende Appell für die Spiele gegen die chinesische U20 mit finanziellen Vereinbarungen zu Gunsten der Walldorfer einhergehen.

Im Hinblick auf die eingangs genannte Fairness sei auch die Frage erlaubt, welcher sportliche Wert für die chinesische Mannschaft, deren Fans und Sponsoren entsteht, wenn bereits kurz nach Bekanntgabe der geplanten Implementierung mehrere Vereinsverantwortliche unterschiedlicher Regionalligisten ankündigen, den Mannschaftskader an besagten Spieltagen mit Jugendspielern und Akteuren der zweiten Mannschaften ergänzen zu wollen. Falls dann, entgegen etwaiger Ankündigungen, tatsächlich in Bestbesetzung angetreten wird, führt dies zu einer Mehrbelastung, welche sich im Abstiegs- und Aufstiegskampf als Nachteil erweisen könnte. Die mehrfach getätigte Aussage, dass sich die Vereine der Regionalliga Südwest ohnehin nach einem Testspielgegner für den jeweils spielfreien Spieltag bemühen würden, ist mit Verweis auf die vergangene Spielzeit und die damalige allgemeine Handhabung in der Liga nicht zutreffend. Die parallel stattfindenden Landespokalwettbewerbe oder schlichte Regeneration sind nach wie vor eine sportlich reizvolle Alternative.

Fehlende Transparenz
Überdies bleibt unserseits unklar, weshalb ein Projekt dieser Tragweite gegenüber der Öffentlichkeit dermaßen intransparent und mit einer solch hohen Geschwindigkeit ein- und durchgeführt werden soll. Wir als Fans wurden von der Nachricht, dass die chinesische U20-Nationalmannschaft in der kommenden Saison an der Regionalliga Südwest teilnehmen soll, förmlich überrumpelt. Es scheint uns so, als sei dahinter das Kalkül gestanden, etwaige Proteste aufgrund der kurzen Zeit zwischen Bekanntgabe und Start der neuen Saison möglichst klein halten zu können. Bitte erläutern Sie uns, warum seitens des Verbandes eine derartige Handhabung notwendig war.

Viel schwerer als die sehr kurzfristige Bekanntgabe in der Öffentlichkeit aber wiegt, dass die konkrete Ausgestaltung dieses Vorhabens den Vereinsverantwortlichen unserer Meinung nach viel zu unkonkret vorgetragen wurde. Diese ist jedoch unabdingbar, damit die Vereine auf Grundlage der ihnen vorliegenden Informationen ausreichend abwägen und eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen können, die den vielfältigen Effekten, die daraus resultieren, auch wirklich gerecht wird. Wir fragen uns: Ist es eines professionellen Verbandes würdig via Telefon Abreden zu treffen ohne direkt im Vorfeld oder Nachgang schriftlich Zahlen und Daten zu verlautbaren? Nicht unerwähnt lassen wollen wir an dieser Stelle auch das grundsätzlich asymmetrische Machtverhältnis von Verband auf der einen und Vereinen auf der anderen Seite. Der DFB und seine regionalen Ableger agieren zunehmend intransparent und entscheiden in der öffentlichen Wahrnehmung nach Gutsherrenart. Gespräche mit mehreren Vereinsoffiziellen innerhalb der Regionalligen Deutschlands haben uns aufgezeigt, dass etwaige Kritik allein schon aus Angst vor Konsequenzen durch Ihren Verband unterbleibt. Ist diese Wahrnehmung im Sinne des DFB und seiner Verbände? Wie reagieren Sie z.B. auf die wahrgenommene fehlende Plausibilität von sportlichen, sportrechtlichen und sportgerichtlichen Entscheidungen?

Moralische Verantwortung?
Außerdem wollen wir zu bedenken geben, dass der Ausbau der Kooperationen mit dem chinesischen Fußball auch weit über den Fußballkontext hinaus einige Fragen aufwirft. Die Volksrepublik China gilt nach wie vor als einer der autoritärsten Staaten weltweit, in dem Meinungs- und Pressefreiheit eingeschränkt, Todesurteile massenhaft vollstreckt (Amnesty International schätzt, dass in China mehr Menschen hingerichtet werden, als in allen anderen Staaten weltweit zusammen), Menschen gefoltert, sowie zahlreiche Kritiker in Gefangenschaft genommen werden. Die Frage muss erlaubt sein, warum ausgerechnet mit einem solch menschenverachtenden Regime die Kooperation der Fußballverbände gestärkt werden soll? Überwiegen hier finanzielle Interessen gänzlich der Moral? Die Weltmeisterschaften in Südafrika und Brasilien sind prominente und traurige Beispiele dafür, dass eine soziale Verantwortung der Verbände gegenüber der jeweiligen Bevölkerung und deren Umwelt in der Vergangenheit nicht gegeben war. Die nächste WM im autoritären Russland belegt, dass seitens der Verantwortlichen keine Lehren für die Zukunft gezogen werden. Für die Weltmeisterschaften 2022 in Katar sterben fast wöchentlich moderne „Arbeitssklaven“ auf den Baustellen der Stadien. Das alles ist bekannt. Aber muss der DFB wirklich diesem schaurigen Schauspiel ein weiteres negatives Kapitel hinzufügen, indem er die sportliche Kooperation mit dem chinesischen Fußball intensiviert?

Vorantreiben einer ausufernden Kommerzialisierung
Nicht zuletzt betrachten wir das Einkaufen einer sportlich nicht qualifizierten Mannschaft in die Regionalliga Südwest nicht als ein Ereignis, das man losgelöst von der allgemeinen Entwicklung des Fußballs sehen kann. Vielmehr ist es ein weiterer Schritt in einem fortschreitenden Prozess, in dessen Verlauf immer mehr Bestandteile des Fußballs rein nach ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Die vielzitierte „Kommerzialisierung“ schreitet weiter voran. Die Interessen der Fans, welche ihre Mannschaften Woche für Woche in den Stadien anfeuern, spielen dabei nur noch eine untergeordnete, zunehmend sogar gar keine Rolle mehr. Doch wir, die Fans, lassen uns nicht weiter übergehen! Wir schweigen nicht zu den Entwicklungen des Fußballs. Wir artikulieren unsere Wahrnehmung und fordern ein Umdenken ein. Allerspätestens dieser Schritt, eine Mannschaft zu reinen Werbezwecken in unsere Liga zu implementieren, geht endgültig zu weit. Er widerspricht dem Grundgedanken des sportlichen Wettbewerbs und dient einzig den Interessen derjenigen, die perspektivisch davon profitieren könnten, wenn der deutsche Fußball den asiatischen Markt erschlossen hat. Die Profiteure werden nicht die Offenbacher Kickers, der 1. FC Saarbrücken, Waldhof Mannheim oder andere Traditionsvereine in der Regionalliga sein. Es werden ganz Andere am Ende den Profit abschöpfen. Deshalb werden wir es auch nicht akzeptieren, dass unsere Vereine hierfür als „Vorboten“ herhalten müssen und unter einer weiteren Abwertung der Regionalliga Südwest leiden sollen. Vielmehr ist es an der Zeit, das unfaire und unsportliche Nadelöhr der Aufstiegsrelegation endlich abzuschaffen und den Meistern der Regionalligen ihren verdienten Aufstieg zuzugestehen. Sich hinter vergeblichen „Reformversuchen“ der Vergangenheit zu verschanzen, wie Sie es in einem Interview mit der Rhein-Neckar-Zeitung vom 28.06.2017 getan haben, wirkt spätestens durch die von Ihnen geplante und konsequent vorangetriebene Einfügung einer sportlich nicht qualifizierten Mannschaft in Hauruck-Manier unglaubwürdig. Herr Zimmermann, stoppen Sie den weiteren Ausverkauf des Fußballs und werden Sie Ihrer Verantwortung gegenüber Vereinen, Spielern und Fans gerecht!

Sportliche Grüße
Abteilung Herzblut – Hessen Kassel
Aktive Fans Kickers Offenbach
Block 30 – Hessen Kassel
Block 385 – FSV Frankfurt
Fanszene Stuttgarter Kickers
Inferno Koblenz
Nebulosa-Impero Ulm
PRO Waldhof e.V.
Supporters Mainz e.V.
Supporters Ulm 1999
Supporters Worms 1997
Virage Est Saarbrücken

01.04.2017 & 09.04.2017

Routiniert kopfschüttelnd nahmen wir die wirren Sanktionen des Sportgerichts unter Vorsitz von Prof. Dr. Pitz für den FCS zur Kenntnis. Um diese Sicht der Dinge all denjenigen transparent zu machen, die differenziert mit der Thematik umgehen können, im Folgenden ein Kommentar.

Seit Jahren definiert eine kleine Gruppe von Verbandsfunktionären in den Kontrollgremien der Bund- und Regionalverbände, welche Vorfälle bei Fußballspielen als unsportlich zu werten sind. Der ursprüngliche Sinn dieser Sportgerichte lag einmal darin, unfaire Aktionen auf dem Feld zu sanktionieren – Tätlichkeiten, Schwalben, grobe Fouls, das waren die relevanten Themen in den Kontrollgremien der Verbände. Diese Befugnis wurde in der Vergangenheit stark ausgeweitet, mittlerweile vereinen die Herrschaften in den Verbänden offenbar so viel (Sozial)Kompetenz, um einschätzen zu können, was bei Fußballspielen unpassend ist und wie „Fehlverhalten“ von Fußballfans zu ahnden ist. Der ironische Unterton macht hoffentlich klar, wie weltfremd diese Kompetenzerweiterung ist. Betagte Verbandsfunktionäre, die in vielen Fällen noch nie in einer Fankurve standen, maßregeln Fanverhalten und spielen damit Henker und Richter zu gleich. Ein Verband definiert unsportliches Verhalten, und urteilt im gleichen Atemzug darüber. Eine unabhängige Bewertung findet in der Sportgerichtsbarkeit nicht statt – das fragwürdige Instrument dieser Strafen wird genutzt, um den Fußball nach den sterilen Vorstellungen der Verbände aufzubauen. Die Herren ignorieren dabei leider allzu oft, dass Millionen Fußballfans in diesem Land kein größeres Problem mit Pyrotechnik, Spruchbändern und derben Gesängen hätten, wenn denn die Vereine nicht andauernd Kohle für diese Lappalien latzen müssten. Und damit sind wir beim Knackpunkt: wohlkalkuliert wird von Verbandsseite daraufhin gearbeitet, Unfrieden zwischen Verein und Szene bzw. innerhalb der Fanszene zu schaffen, um den Fokus von eigentlichen Problemen abzulenken. Pyrotechnik, Spruchbänder und Gesänge, seien sie noch so derb und insbesondere Gewalt, sind nämlich kein größeres Problem bei Fußballspielen, als in anderen Teilen des gesellschaftlichen Lebens. Im Gegenteil: Statistiken zeigen, dass die Gefahr bei Fußballspielen – bspw. verletzt zu werden – weitaus geringer ist, als bei Volksfesten, Kneipenabenden oder anderen öffentlichen Veranstaltungen. Deshalb ist eine Paralleljustiz neben dem eigentlichen Rechtssystem nicht nur sinnlos, sondern auch aus rechtlicher Sicht äußerst fragwürdig. Die eigentlichen Probleme im deutschen Fußball(bund); Korruption und Vetternwirtschaft, wahnwitzige Auflagen, immer schwieriger zu erfüllende Lizensierungsbedingungen, eine fortschreitende Spieltag Zerstückelung, Nachwuchsmangel im Amateurbereich etc.; werden geschickt retuschiert, um akribisch daraufhin zu wirken, verbandskritische Fans zu isolieren und in eine kriminelle Ecke zu schieben. Die Öffentlichkeit fällt auf dieses Spiel leider allzu leicht herein. Mit uns lässt sich diese Masche jedoch nicht abziehen, so groß die Missstimmung zwischen Verein und Szene bzw. Fanszeneintern auch sein mag, wir werden eine Verbandsjustiz in dieser Form niemals akzeptieren können, geschweige denn unser Verhalten davon beeinflussen lassen.

Lassen wir die konkreten Vorkommnisse gegen Walldorf, Ulm, Homburg, Trier und Steinberg Revue passieren, lässt sich zu allererst mal feststellen, dass es nicht einen Verletzen zu beklagen gab, der auf das Konto Saarbrücker Fans ging. In Walldorf wertete der Verband derbe Gesänge als „unsportlich“, bei den anderen Spielen waren es hauptsächlich Pyrotechnik und emotionale Ausbrüche, die Pitz und Co. (?) gegen den Strich ging. Insbesondere die Ereignisse beim Spiel in Homburg – u.a. wäre hier das Betreten des Innenraums nach Ausgleich kurz vor Schluss zu nennen – stehen in keinerlei Verhältnis zu den ausgesprochenen Strafen. Gegebenenfalls sollte der FCS den Menschen beim Verband mal verklickern, dass alles, was heute bei Spielen des FC gegen Homburg passiert, im Vergleich zu früheren Derbys Kindergeburtstag ist. Auch gegen Trier würde ein differenzierter Blick auf die Ereignisse Abhilfe schaffen. Im Endeffekt betraten Saarbrücker Fans den Innenraum, nachdem der Eindruck entstand, dass Trierer Fans die Zäune überstiegen, um FC Fans in benachbarten Blöcken anzugreifen. Als ersichtlich wurde, dass es dazu nicht kommt, sind diese Leute zurück in den Block, ohne dass eine Eskalation gesucht wurde.

Vereine müssen daher endlich den Fakten Tribut zollen und den Verbänden gegenüber demonstrieren, dass die ausgesprochenen Strafen nicht nur ziel- und zwecklos sind, sondern auch in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Geschehnissen stehen. Wir appellieren deshalb auch an alle FC Fans, dem unwürdigen Schauspiel mit personalisierten Karten gegen Trier und Stuttgart eine Absage zu erteilen. Die Vereine müssen sich hinterfragen, ob in Zukunft weiterhin der unkomplizierte Weg gegangen wird, indem der moralische Zeigefinger gehoben und mit Regressforderungen kolportiert wird, oder ob der steinige Weg einer verantwortungsvollen Auseinandersetzung mit der Thematik eingeschlagen wird. Der Ball liegt bei also mehr denn je bei den Clubs, sich gegenüber dem Verband endlich für ein Ende dieser aberwitzigen Spirale aus Sanktionen und Auflagen stark zu machen.

Virage Est Saarbrücken