01.04.2017 & 09.04.2017

Routiniert kopfschüttelnd nahmen wir die wirren Sanktionen des Sportgerichts unter Vorsitz von Prof. Dr. Pitz für den FCS zur Kenntnis. Um diese Sicht der Dinge all denjenigen transparent zu machen, die differenziert mit der Thematik umgehen können, im Folgenden ein Kommentar.

Seit Jahren definiert eine kleine Gruppe von Verbandsfunktionären in den Kontrollgremien der Bund- und Regionalverbände, welche Vorfälle bei Fußballspielen als unsportlich zu werten sind. Der ursprüngliche Sinn dieser Sportgerichte lag einmal darin, unfaire Aktionen auf dem Feld zu sanktionieren – Tätlichkeiten, Schwalben, grobe Fouls, das waren die relevanten Themen in den Kontrollgremien der Verbände. Diese Befugnis wurde in der Vergangenheit stark ausgeweitet, mittlerweile vereinen die Herrschaften in den Verbänden offenbar so viel (Sozial)Kompetenz, um einschätzen zu können, was bei Fußballspielen unpassend ist und wie „Fehlverhalten“ von Fußballfans zu ahnden ist. Der ironische Unterton macht hoffentlich klar, wie weltfremd diese Kompetenzerweiterung ist. Betagte Verbandsfunktionäre, die in vielen Fällen noch nie in einer Fankurve standen, maßregeln Fanverhalten und spielen damit Henker und Richter zu gleich. Ein Verband definiert unsportliches Verhalten, und urteilt im gleichen Atemzug darüber. Eine unabhängige Bewertung findet in der Sportgerichtsbarkeit nicht statt – das fragwürdige Instrument dieser Strafen wird genutzt, um den Fußball nach den sterilen Vorstellungen der Verbände aufzubauen. Die Herren ignorieren dabei leider allzu oft, dass Millionen Fußballfans in diesem Land kein größeres Problem mit Pyrotechnik, Spruchbändern und derben Gesängen hätten, wenn denn die Vereine nicht andauernd Kohle für diese Lappalien latzen müssten. Und damit sind wir beim Knackpunkt: wohlkalkuliert wird von Verbandsseite daraufhin gearbeitet, Unfrieden zwischen Verein und Szene bzw. innerhalb der Fanszene zu schaffen, um den Fokus von eigentlichen Problemen abzulenken. Pyrotechnik, Spruchbänder und Gesänge, seien sie noch so derb und insbesondere Gewalt, sind nämlich kein größeres Problem bei Fußballspielen, als in anderen Teilen des gesellschaftlichen Lebens. Im Gegenteil: Statistiken zeigen, dass die Gefahr bei Fußballspielen – bspw. verletzt zu werden – weitaus geringer ist, als bei Volksfesten, Kneipenabenden oder anderen öffentlichen Veranstaltungen. Deshalb ist eine Paralleljustiz neben dem eigentlichen Rechtssystem nicht nur sinnlos, sondern auch aus rechtlicher Sicht äußerst fragwürdig. Die eigentlichen Probleme im deutschen Fußball(bund); Korruption und Vetternwirtschaft, wahnwitzige Auflagen, immer schwieriger zu erfüllende Lizensierungsbedingungen, eine fortschreitende Spieltag Zerstückelung, Nachwuchsmangel im Amateurbereich etc.; werden geschickt retuschiert, um akribisch daraufhin zu wirken, verbandskritische Fans zu isolieren und in eine kriminelle Ecke zu schieben. Die Öffentlichkeit fällt auf dieses Spiel leider allzu leicht herein. Mit uns lässt sich diese Masche jedoch nicht abziehen, so groß die Missstimmung zwischen Verein und Szene bzw. Fanszeneintern auch sein mag, wir werden eine Verbandsjustiz in dieser Form niemals akzeptieren können, geschweige denn unser Verhalten davon beeinflussen lassen.

Lassen wir die konkreten Vorkommnisse gegen Walldorf, Ulm, Homburg, Trier und Steinberg Revue passieren, lässt sich zu allererst mal feststellen, dass es nicht einen Verletzen zu beklagen gab, der auf das Konto Saarbrücker Fans ging. In Walldorf wertete der Verband derbe Gesänge als „unsportlich“, bei den anderen Spielen waren es hauptsächlich Pyrotechnik und emotionale Ausbrüche, die Pitz und Co. (?) gegen den Strich ging. Insbesondere die Ereignisse beim Spiel in Homburg – u.a. wäre hier das Betreten des Innenraums nach Ausgleich kurz vor Schluss zu nennen – stehen in keinerlei Verhältnis zu den ausgesprochenen Strafen. Gegebenenfalls sollte der FCS den Menschen beim Verband mal verklickern, dass alles, was heute bei Spielen des FC gegen Homburg passiert, im Vergleich zu früheren Derbys Kindergeburtstag ist. Auch gegen Trier würde ein differenzierter Blick auf die Ereignisse Abhilfe schaffen. Im Endeffekt betraten Saarbrücker Fans den Innenraum, nachdem der Eindruck entstand, dass Trierer Fans die Zäune überstiegen, um FC Fans in benachbarten Blöcken anzugreifen. Als ersichtlich wurde, dass es dazu nicht kommt, sind diese Leute zurück in den Block, ohne dass eine Eskalation gesucht wurde.

Vereine müssen daher endlich den Fakten Tribut zollen und den Verbänden gegenüber demonstrieren, dass die ausgesprochenen Strafen nicht nur ziel- und zwecklos sind, sondern auch in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Geschehnissen stehen. Wir appellieren deshalb auch an alle FC Fans, dem unwürdigen Schauspiel mit personalisierten Karten gegen Trier und Stuttgart eine Absage zu erteilen. Die Vereine müssen sich hinterfragen, ob in Zukunft weiterhin der unkomplizierte Weg gegangen wird, indem der moralische Zeigefinger gehoben und mit Regressforderungen kolportiert wird, oder ob der steinige Weg einer verantwortungsvollen Auseinandersetzung mit der Thematik eingeschlagen wird. Der Ball liegt bei also mehr denn je bei den Clubs, sich gegenüber dem Verband endlich für ein Ende dieser aberwitzigen Spirale aus Sanktionen und Auflagen stark zu machen.

Virage Est Saarbrücken

Advertisements